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Himalaya-Marke mit sozialer Story

Mathias Krenski, SAZMAGAZIN

Auf der deutschen „brand clock“ von Sherpa Adventure Gear ist ein Jahr vergangen. Europa-Verkaufsleiter Wolfgang Jahn (der langjährige Icebreaker-Frontmann) hat sich mit „made in Nepal“ wieder einen USP im Markt geangelt. Die Produktion sei ausgelastet, beim Händler komme er gut an, meint er. Die Story ist gut: Wer Sherpa-Jacken kauft, gibt den Menschen im Nepal-Himalaya etwas zurück.

Outdoor-Filialist Christoph Ganß, Geschäftsführer der Unterwegs Gruppe (Wilhelmshaven), gehörte zu den ersten Händlern, die Sherpa Adventure Gear ins Sortiment nahmen. „Es ist einmalig, dass eine von Sherpas geführte Marke aus Nepal Outdoor-Bekleidung anbietet, die dort produziert und von den weltberühmten Sherpas im Himalaya getestet wird“, antwortet Ganß.

Auf einem Streifzug durch New York erkannte der nepalesische Auswanderersohn Tashi Sherpa seinen Onkel auf einem Plakat wieder – es hing dort anlässlich des 50. Jahrestages der Mount-Everest-Erstbesteigung. Bis dato wusste Tashi Sherpa noch gar nicht, dass sein Onkel Ang Gyalzen Sherpa die historische Expedition von Edmund Hillary 1953 unterstützte. Während der Engländer zum „Sir“ geschlagen wurde, lebte Tashis Onkel danach anonym in Abgeschiedenheit. Nicht wenige Sherpas hatten ihr Leben in den Bergen verloren, unzählige kehrten behindert vom Berg zurück. Im Mai 2003 beschloss Tashi Sherpa, diesen „unbesungenen Helden“ aus seinem Volk etwas zurückzugeben. Er gründete Sherpa Adventure Gear. 

„Es ist eine Marke, die einer Sherpa-Familie gehört, von Sherpas betrieben wird und deren Wertschöpfung den Sherpas zugutekommt“, beschreibt Wolfgang Jahn den Markenkern
und Slogan „We are Sherpa“. Ein Teil des Umsatzes (ca. 0,5 USD pro Teil) fließt in die Paldorje Education Stiftung, die Bildungsprogramme für Kinder fördert und Stipendien vergibt. Wer Sherpa kauft (und verkauft), tut also auch was Gutes in Nepal. 

„Wir sind die größte Firma in Nepal, die etwas für das Volk tut“, meint Jahn. Über 800 einheimische Schneiderinnen beschäftigt das Familienunternehmen, auch die drei Kinder von Präsident Tashi Sherpa treten in seine Fußstapfen. Rund 95 % der Outdoor-Bekleidung von Sherpa Adventure Gear werden in Nepals Hauptstadt Kathmandu produziert. Neben hochtechnischen Teilen mit Funktionsmaterialien wie Event, Polartec oder Primaloft stellt Sherpa auch viele Strickteile (Mützen, Schals etc.) her, die von den Frauen aus der Region handgestrickt werden. Darüber hinaus werden Daunenprodukte (kommen nicht aus Nepal), aber auch Midlayer, Funktionshemden, -shirts und -hosen gefertigt. 

Als Jahn die Fabriken in Kathmandu das erste Mal besuchte, ahnte er nichts Gutes. Doch als er die Hightech-Maschinen sah, wusste er, dass man sich nicht verstecken braucht. Jahn hat sich schließlich sogar an Sherpa beteiligt, so könne er bei Kollektionen mitsprechen. Mit kleinen Details – wie der Gebetsfahne am Reißverschluss oder dem „unendlichen Knoten“ am Rücken – wird die Herkunft der Ware auch für den Kunden sichtbar.

„Der Outdoor-Handel sucht nach neuen, authentischen Marken mit einer außergewöhnlichen und überzeugenden Geschichte“, ist Jahn überzeugt. Bis zum Sommer 2013 hatten rund zwei Dutzend ausgesuchte Fachhändler in Deutschland bei Sherpa zugegriffen. Im nächsten Winter sollen etwa 100 „engagierte und überzeugte Bergsport- und Outdoor-Fachhändler sowie Outdoor-affine Sporthäuser“ Sherpa führen.

wolfgang-jahn_wwwWolfgang Jahn verantwortet für Sherpa Adventure Gear die Märkte Deutschland, Österreich, Benelux und Italien sowie die Travelwear-Marke Royal Robbins von der Europazentrale des britischen Distributeurs Bradshaw Taylor aus, der u.a. Icebreaker, Schöffel, Keen, Black Diamond führt. Als Mountain Hardwear vor zwei Jahren seinen Vertrieb selbst übernahm, nahm Bradshaw-Taylor-CEO Corrie Taylor die Outdoor-Marke Sherpa Adventure Gear von Tashi Sherpa unter Vertrag. In der Schweiz wird die Marke allerdings nicht vertrieben, weil dort der Name Sherpa vom Outdoor-Filialisten Sherpa Outdoor gehalten wird. Wolfgang Jahn sitzt im HDK2 in Sindelfingen. Mit Zugriff auf das Europalager von Bradshaw Taylor in England garantiert er eine „hohe Warenverfügbarkeit und kurze Auslieferungszeiten“.
Die Produktion sei so ausgelastet, dass er auf Anhieb 1.000 zusätzliche Teile gar nicht stemmen
könne, pünktlich sein lautet nämlich seine Devise.

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